| Meine Krankheitsgeschichte - Genesung im Krankenhaus |
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19.8.02 (Montag) – 5.Tag nach OP Die Nacht hatte ich nur schlecht geschlafen. Einmal musste ich mir ein Schmerzmittel geben lassen. Morgens um 6.15 Uhr stand ich auf, wusch mich ausgiebig bis 7.00 Uhr. Es machte Spaß, allein so mobil zu sein. Dann kamen die Schwestern. Das Bett wurde gemacht und die Infusion wurde abgeklemmt. Ich bekam noch eine, ein Antibiotikum, das in 2 Min. durchgelaufen war. Danach wurde der Zugang an der Halsschlagader entfernt. Ich freute mich. Es war wieder was weg und ich war wieder ein Stück mobiler. Ich bekam meine Medikamente gegen Übelkeit, ACC zum Schleimlösen, die Blase wurde gespült. Danach aß ich wieder einen Joghurt mit Früchten. Die anschließende Visite war kurz. Ich ging zu Herrn Klemke, der eine Woche vor mir die gleiche Operation wie ich hatte. Er lag auf der Nachbarstation Zimmer 15. An sich ein sehr selbstbewusst und agiler Mensch, gefiel er mir heute gar nicht. Er lag um 11.00 Uhr im Bett und schimpfte über alles. So kannte ich ihn noch nicht. Ich teilte meine Beobachtungen später dem Chefarzt mit, der sich mit ihm dann darüber unterhielt. Ihm ist wichtig, dass die Patienten sich auch seelisch wohl fühlen. Zum Mittag bekam ich eine richtige Mahlzeit: Kartoffelpüree mit Putenschnitzel. Ich hatte wieder dieses Völlegefühl und bekam nichts herunter. Am Nachmittag kam meine Mutter zu Besuch. Wir nahmen uns einen Kaffee und setzten uns in den Garten. Sehr schöne Gartenanlagen hier. Es war 30°C aber etwas windig. Zum Abendbrot bekam ich Brot mit Quark. Ich aß widerwillig aber ich aß. Übrigens, ich hatte einen neuen Blasenkrebswitz kreiert: Gehen zwei Krebspatienten spazieren. Während des Abendbrotes kam der Chefarzt zur Visite. Er lobte meine raschen Fortschritte. Am Abend kamen Nicole und ihr Freund. Wir saßen im Garten und unterhielten uns. Als sie gegangen waren, hatte ich wieder Krämpfe und Blähungen. Ich war oft auf der Toilette und unter Schmerzen hatte ich auch etwas Stuhlgang. Aber das gab Erleichterung. Mein linker Arm schwoll wieder an und wurde behandelt. Und gegen die Blähungen und Schmerzen lies ich mir was geben. So konnte ich Nachts gut schlafen. 20.8.02 (Dienstag) – 6.Tag nach OP Ich bekam jetzt komplett feste Nahrung, zwar Diät, ballaststoffarm und püriert, aber immerhin. Blähungen hatte ich kaum noch. Und Schmerzen im Bauch auch nicht. Bei der Visite konnte ich nur sagen, dass es mir prächtig geht. Dr. Haßelmann legte mir einen neuen Verband an. Aber der Verband hielt nicht. Es lag am Verbandsmaterial. Es war von minderer Qualität. Schwester und Pfleger verklebten die Stellen mit besserem, was dann auch hielt. Nach etwa 5 Min. merkte ich, dass eine Nierenableitung undicht ist. Es stellte sich heraus, dass ein Verbindungsstück defekt war. Die Stationsärztin holte ein neues und es wurde eingesetzt. Jetzt war endlich alles in Ordnung. Stuhlgang hatte ich fünf mal ohne Probleme. Es hing wohl mit der festen Nahrung zusammen. Ich wollte mich mehr darauf konzentrieren, ob die Nieren gut arbeiten und die Harnableitungen funktionieren. Die Nacht wurde unruhig. Ich bekam einen Neuzugang auf mein Zimmer, einen 15jährigen, der frisch operiert worden war. Ich ging einige Male ins Raucherzimmer. Ich hatte wieder Schmerzen, lies mir ein Schmerzmittel geben und konnte bis 5.30Uhr durchschlafen. 21.8.02 (Mittwoch) – 7.Tag nach OP Ich ging mit einer frischen Tasse Kaffee bewaffnet, erst mal eine Rauchen. Mein Darm würde danach problemlos seine Arbeit aufnehmen und der Stuhlgang war diesmal ohne Schmerzen. Vor dem Frühstück kamen die morgendlichen Untersuchungen und die Behandlung der Blase durch Spülungen und ACC-Behandlung. Nach dem Frühstück gegen 9.00Uhr bemerkte ich, dass die rechte Niere nicht mehr ableitet, sondern deren Harn durch die neue Blase und den Blasen-Katheter abgeleitet wird. Da die neue Blase erst 6 Tage alt war und ich dachte, dass eine ständige Ableitung durch die Blase für deren Heilung nicht gerade förderlich ist, ging ich zu einem Stationsarzt, der die Zuleitung dann durchspülte. An diesem Tag war auf der Station Hektik angesagt. Ich merkte, wie alle Schwestern, Pfleger und Ärzte gestresst waren. Mir fällt an dieser Stelle dazu folgendes ein: Das Geld in den Krankenhäusern und Kliniken wird immer weniger. Die Leitungen der jeweiligen Einrichtungen müssen Einsparungen vornehmen, wo sie können. So wird z.T. minderwertiges Verbandsmaterial eingekauft und es entstehen Engpässe bei dringend benötigten Medikamenten. So fehlt es auch an ausreichendem Personal. Das vorhandene Pflegepersonal und die Ärzte sind durch die Mehrarbeit überlastet und gestresst. Sie haben zu wenig Zeit, sich ausreichend Zeit für die Patienten zu nehmen. Damit wächst auch der Unmut der Patienten. Hinzu kommt, dass die optimale Versorgung und Betreuung der Patienten nicht gewährleistet ist. Dies geht zu Lasten der Patienten, deren Liegezeit im Krankenhaus sich damit zwangsläufig erhöhen muss und der Genesungszeitpunkt unnötig verlängert wird. Dadurch steigen die Kosten der Krankenversicherer. Überstunden beim medizinischen Personal fallen über Gebühr an. Als Folge der Überbelastung erhöht sich die Unzufriedenheit der Mitarbeiter und deren Krankenstand. Hinzu kommt die Angst über einen Verlust des Arbeitsplatzes, bei Aufgabe eines Standortes. Manche Stationen wissen nicht mehr, wie sie den Dienstbetrieb aufrecht erhalten sollen. Ganze Bereiche müssen vorrübergehend geschlossen oder aber auf Dauer aufgegeben werden. Am Nachmittag hatte ich wieder Koliken und dadurch Schmerzen. Ich konnte aber abführen, so dass es mir Abends besser ging. Ich trank zwei Bier, weil ich wissen wollte, ob Bier mein Wohlbefinden steigern konnte. – Bier ist ein Getränk, das bekömmlich für den Magen ist und den Darm anregt. Hinzu kommt, dass es die Nieren spült und entzündungshemmend auf Nieren, Harnleiter und Blase wirkt. – Ich hatte gewartet, bis der Schaum verschwunden war und es ungekühlt getrunken. Es ist mir gut bekommen. Am nächsten Morgen hatte ich einen wunderbaren Stuhlgang. Auch die Neoblase und die Nieren fühlten sich besser. 22.8. (Donnerstag) – 8.Tag nach OP Bereits um 5.30 Uhr stand ich auf. Eine Zigarette und einen Kaffee (die Nachtschwester erschrak sich) und schwups, die erste Toilette war meine. Stuhlgang kann auch schön sein. Bei der Blasenspülung kam jede Menge Schleim heraus (das ist auch gut so). Alle Ableitungen arbeiteten hervorragend. Das medizinische Personal, man merkte es deutlich war sehr überlastet. Mein Bettnachbar wurde entlassen. Mit Frühstück versorgten wir uns selber, denn die Ausgabe dauerte wegen der wichtigeren Versorgung der Patienten an diesem Tag länger. Die Visite kam und ich redete mit der Ärztin über die fatalen Einsparungen im Gesundheitssektor und deren Folgen auf alle, Patienten und medizinisches Personal. Sie konnte mir nur zustimmen. Ich bekam einen neuen Verband – der Beste, den ich jemals hatte. Endlich konnte ich schmerzfrei aufrecht stehen, herrlich. Zum Mittag gab es ein Stück Rindfleisch mit Püree und Sellerie-Beilage. Ich war zwar skeptisch, ob ich es vertrage, aber ich hatte Appetit darauf und aß auch fast alles auf. Als Vorsorge gegen Blähungen und Bauchschmerzen nahm ich ein Medikament und trank zur Verdauung ein Bier ohne Schaum. Etwas Völlegefühl hatte ich, legte mich eine Weile ins Bett. Als meine Mutter kam, gingen wir etwas spazieren und mir ging es blendend. Aber ich bemerkte anschließend, dass die Ableitung meiner rechten Niere wieder verstopft war. Sie wurde wieder gespült. Danach hatte ich ein intensives Gespräch mit meiner Mutter, bei dem mir selber einiges klar wurde.
Jetzt, wo ich erfahren hatte, dass die feingewebliche Untersuchung des entfernten Gewebes ergeben hatte, dass die Krebswurzel in der Blase wieder einen Tumor gebildet hatte und das in dem entnommenen Gewebe keine weiteren Krebszellen gefunden wurden, wusste ich, dass die radikale Entfernung der Blase der richtige Weg gewesen war und dass der Krebs besiegt ist. Ich kann der urologischen Abteilung des Krankenhaus Reinickendorf mit seinem gesamten Team und dem Operationsteam nur dankbar dafür sein. Meine so schnelle Genesung überraschte hier alle und auch, wie ich mit allem umging und über meine Einstellung. Ich selber war sehr überrascht darüber, wie gut es mir bereits nach 8 Tagen nach der Operation ging. Auch seelisch. Das hatte ich nicht erwartet. Ich denke aber, meine positive Grundeinstellung und das positive Umgehen mit meiner Krankheit haben viel dazu beigetragen, wie auch die Hilfen, die immer wieder von den Ärzten und dem Pflegepersonal kamen. Vielleicht gab es auch noch Rückschläge. Aber die würde ich auch überwinden. Ich wusste, das Schlimmste war vorbei. An diesem Tag war ich glücklich. 23.8.02 (Freitag) – 9.Tag nach OP Um 3.00 Uhr morgens war ich schon wach. Ich nahm mir einen frischen Kaffee und schon ging auf’s Klo. Nach dem Kaffee und einer Zigarette konnte ich nicht mehr schlafen. So ging ich leise in mein Zimmer, um meinen Bettnachbar nicht zu stören und packte mein Notebook ein. Damit ging ich in den Raucherraum und arbeitete an einem Logo für meine Blasenkrebs-Selbsthilfegruppe. Folgendes ist dabei rausgekommen: Am Vormittag wurde mir der Wundschlauch gezogen und ein neuer Verband angelegt. Danach fingen die Probleme an. Ich bekam wieder Koliken. Und zwar was für welche! Diese Schmerzen waren fast unerträglich. Das erste Mal, wo ich tagsüber Schmerzmittel brauchte. Zum Mittag konnte ich nichts essen. Danach kam der Chefarzt, der sich über meinen Verband aufregte. Er wolle später noch einmal vorbeikommen, um ihn neu anzulegen und ich solle solange im Bett bleiben. Da lag ich nun und wartete. Er kam und kam nicht. Aber Mutti kam. Ich erfuhr, dass der Chef schnell wegmusste und sagte beim Pflegedienst Bescheid, dass wir draußen sitzen. Etwa eine Stunde später wurde ich reingerufen und der Chefarzt wechselte den Verband. Ich erzählte ihm, dass das Verbandsmaterial so schlecht ist, dass letztes Mal sein Verband schon nach 10Min. erneuert werden musste. Außerdem bedankte ich mich bei ihm für die großartige Arbeit bei der OP. Ich saß mit Mutti bis zum Abendbrot draußen. Zum Abendbrot machte ich mir ein Brot zurecht, konnte es aber nicht essen. Mir war schlecht und ich ging ins Bett. Marion kam zu Besuch und ich fror erbärmlich. Obwohl draußen bestimmt 26°C waren und das Zimmer ebenfalls warm war, musste ich mich vollkommen zudecken. Es dauerte bestimmt eine Stunde, da schwitzte ich. Ich hatte Fieber. Wie hoch, stellte sich am Abend heraus, 39°C. Die Ärztin war besorgt und führte eine Blutuntersuchung durch. Sie gab mir schließlich ein Antibiotikum. Den Abend schlief ich viel, bis ich wieder Schmerzen hatte. Ich hatte nichts mehr zu trinken, und gegen die Blähungen hatte ich auch nichts. Ich ging unter Schmerzen zum Schwesterzimmer, wurde gleich mit allem nötigen versorgt und schlief bald ein. 24.8.02 (Samstag) – 10.Tag nach OP Diesmal schlief ich bis 4.00 Uhr. Ich ging eine Zigarette rauchen. Kaum hatte ich sie angesteckt, konnte ich aufs Klo. Danach ging ich meine Zigarette weiter rauchen und anschließend konnte ich wieder einschlafen und schlief bis 6.30 Uhr. Es ging mir besser. Das Fieber war weg. Ich hatte Normaltemperatur. Ich hatte immer noch Koliken, aber die waren bei weitem nicht so heftig, wie am Tag zuvor. Der Verband hing wieder auf „halb sieben“, wurde gewechselt. Der Oberarzt machte eine Sonografie meines Unterbauchs und der Nieren. Die Nieren waren in Ordnung. Ich hatte eine Menge Luft im Darm, die heraus musste. Deshalb ordnete er ein Abführmittel an. Für den Halt des Verbandes bekam ich eine Bauchbinde. Endlich konnten sich die Verbände am Bauch nicht mehr ablösen. Auch für mich eine Erlösung. Mittags kam Ernst Bergemann vom OPS zu Besuch. Wir setzten uns in den Garten und unterhielten uns. Ich erzählte ihm davon, dass ich meine Tätigkeit als Justiz-Vollzugsbeamter wohl nicht mehr ausüben kann und bestimmt in Frühpension geschickt werde, und nur etwa 60% meiner letzten Bezüge erhalten werde. Den fehlenden Rest müsse ich mir erarbeiten. Wir haben uns über eine Stunde lang unterhalten. Zum Mittag bekam ich Essen, was ich nun wirklich nicht essen durfte: Grünkohl und Ananas. Ich erzählte es den Ärzten. Nachmittags kam meine Mutter. Diesmal blieb sie nicht so lange, denn es ging mir nicht so gut. Ich merkte, dass ich wieder Temperatur bekam und ging ins Bett. Ich hatte 38°C. Nachdem ich etwa eine Stunde geschlafen hatte, ging es mir besser. Ich hatte Appetit und aß wieder gut zum Abendbrot. Ich merkte auch, wie sich die Koliken langsam auflösten. So hatte ich am frühen Abend Lust darauf, mit meinem Buch über „Blasenkrebs – Wege zur Heilung“ anzufangen. Zunächst kreierte ich das Titelblatt: Ein von mir gemalter Hintergrund mit einer stilisierten Blase mit Tumor und Titelschriftfarbe in gelb. Bis um 20.00Uhr hatte ich auch schon einen Teil des Vorwortes fertig. Danach sah ich mit meinem Bettnachbarn einen Film im Fernsehen. Danach kam Boxen. Ich war eingeschlafen, sah aber das Ende des Kampfes, schlief wieder ein. 25.8.02 (Sonntag) – 11.Tag nach OP Um 3.30Uhr war ich wach. Die Blähungen lösten sich, ich hatte Stuhlgang ohne Probleme, nahm mir einen Kaffee und rauchte erst mal eine. Ich setzte mich mit meinem Notebook auf den Gang und arbeitete am Tagebuch und an meinem Buch weiter. Ich bekam wieder Koliken. Auf der Toilette gingen aber die Winde ab und das gestrige Abführmittel tat jetzt seine Wirkung. Und ich war erleichtert. Zum Mittag gab es wieder Fleisch. Da ich die Koliken darauf zurückführte, kaute ich jedes Stück möglichst klein. Nach dem Essen schlief ich ein wenig und ging mit einem Buch und einem Bier in den Garten. Mein Bettnachbar folgte mir bald. Er bekam Besuch von seiner Frau. Ich saß noch eine Weile, bis mir zu warm wurde. Ich ging rein, um den Beschwerdebrief an Vivantes auf eine Diskette zu speichern, die mir der Oberarzt freundlicherweise geliehen hatte. Ein Ausdruck des Briefes scheiterte daran, dass die Stations-Computer keine Disketten erlaubten. So übergab ich die Diskette zur Weiterleitung an den Stationsarzt. Marion und Petra kamen zu Besuch. Marion brachte mir den Bademantel mit und die von mir gewünschten Lautsprecher. Nun konnten wir vernünftig fernsehen. Wir gingen hinaus in den Garten und setzten uns. Am Abend sahen wir das Kanzlerduell mit Schröder und Stoiber. Und danach ging der Tag zu Ende. 26.8.02 (Montag) – 12.Tag nach OP Um 1.30Uhr war ich wach, ging auf den Pott und nahm mir einen Kaffee, um eine Rauchen zu gehen. Danach leerte ich meine Beutel, zählte die Harnmenge des gestrigen Tages zusammen und legte mich wieder hin. Ich schlief bald wieder ein und wachte erst um 5.00Uhr wieder auf. Ich setzte mich an meinen Computer, um weiter an dem Buch zu arbeiten. Morgens wurde mir vom Stationsarzt mitgeteilt, dass heute die Ableitungen aus den Nieren und die Magensonde entfernt werden würden. Ich hatte mächtig Bammel davor, konnte mich noch genau an die Schmerzen erinnern, welche die Entfernung der Wundableitung verursachte. Die Schwester entfernte die Klammern, die den Bauchschnitt zusammen gehalten hatten. Ich bekam einen neuen Verband, der wieder nicht lange hielt. Der Oberarzt kam zu mir. Er hatte meinen Brief an Vivantes ausgedruckt. Ich unterschrieb ihn und steckte ihn in den dafür vorgesehenen Kasten. Mittlerweile waren selbst die Ärzte sauer, weil sie mit so schlechtem Verbandsmaterial arbeiten mussten. Zum Mittag durfte ich das erste Mal Normalkost essen. Jetzt konnte ich mir meine Malzeiten selber zusammen stellen. Nach dem Mittagessen kamen meine Mutter und Gerlinde aus Zwickau zu Besuch. Mit einem Bier, das sie mitgebracht hatten, setzten wir uns in den Garten. Heute war es besonders heiß und schwül. Ganz schön anstrengend, zwei ältere Frauen, die es nur gut mit mir meinten.... Kaum hatten sie mich verlassen - ich wollte mich gerade hinlegen - kam Günter aus Kanada zu Besuch. Auch er brachte ein Bier mit und wir setzten uns in den Garten. Nach einer halben Stunde aber, wurde ich gerufen und musste zum Funktionsröntgen. Dieter, ein Pfleger, holte mich mit einem Rollstuhl ab. Der Chefarzt wurde gerufen und spritzte mir in die Nieren-Ableitungen ein Kontrastmittel. Er konnte den Weg des Mittels dann auf dem Monitor verfolgen. Es war alles in Ordnung. Auf dem Zimmer wieder angekommen, entfernte er dann erst die Magensonde. Sie war festgeklebt und mit einem kräftigen Ruck hatte er sie draußen und ich Sterne vor den Augen. Der Schmerz kam danach, aber nicht so heftig, wie ich angenommen hatte. Danach zog er die rechte Nieren-Ableitung, die links aus dem Bauch heraustrat. Er zog und zog, der Schlauch hörte gar nicht mehr auf, bis das Ende des Schlauches schließlich erschien, nach etwa 40cm. Es tat nicht weh, zog nur etwas. Aber hinterher bekam ich Schmerzen und leichte Temperatur. Zum Abend lies ich mir ein Schmerzmittel geben und schlief dann auch bald ein. 27.8.02 (Dienstag) 13.Tag nach OP Um 3.00Uhr wurde ich wach. Ich hatte keine Schmerzen mehr, ging zur Toilette und anschließend bei Kaffee eine rauchen. Ich arbeitete wieder an meinem Buch, bis die Batterie meines Notebooks leer war. Dann kam das Warten darauf, dass endlich auch die linke Nieren-Ableitung entfernt würde. Heute kam kein Besuch. Ich holte aber, während ich auf den Chefarzt wartete, den versäumten Schlaf nach. Außerdem hatte ich den ganzen Tag lang etwas Temperatur und die Nieren schmerzten leicht. Am Abend kam dann der Chefarzt und führte eine Sonografie der Nieren durch, bevor er die Ableitung der Niere entfernte. Er war begeistert, wie gut die Harnleiter funktionierten. Er sagte mir auch warum. Ich war erst der vierte Patient, bei dem hier eine neue Wieder-herstellungs-Operation der Blase durchgeführt wurde. Sie wurde im Tumorzentrum Ulm entwickelt und es gab diese Methode erst seit kurzem. Für die beiden Harnleiter aus den Nieren werden bei der Neoblase Ausstülpungen geformt, in welche die Harnleiter gesteckt und vernäht werden. Vorher hatte man sie einfach an die Neoblase genäht. Mit der neuen Methode wolle man erreichen, dass die Haltbarkeit und die Dichtigkeit erhöht wird. Seine Freude begründete sich nun darauf, dass es bislang zu keinem Harnstau gekommen war und die Einleitung in die Neoblase einwandfrei funktioniert. Nachdem die Ableitung aus der Niere entfernt war, trank ich erst mal ein Bier, um zu spülen und meine leicht erhöhte Temperatur ging zurück. Insgesamt fühlte ich mich besser. 28.8.02 (Mittwoch) – 14.Tag nach OP Es war der Tag, nach dem ich mich so gesehnt hatte. Es sollte der Harnröhrenkatheter entfernt werden. Mein Bettnachbar wurde zunächst in den OP gebracht und danach war ich dran. Der Chefarzt führte einen Röntgen-Funktionstest der Neoblase und der Harnröhre durch. Danach zog er den Blasen-Katheter. Er spülte noch einmal mit einem Kontrastmittel alles durch. Es war alles dicht. Ich musste mich hinstellen und versuchen die restliche Flüssigkeit aus der Blase zu drücken. Es klappte auf Anhieb. Ich legte mich wieder unter das Röntgengerät und er machte noch eine Aufnahme von der geleerten Blase. Sie war absolut leer. Dr. Haßelmann war zufrieden. Und ich glücklich. Jetzt mussten nur noch die Wunden verheilen und ich kontinent werden, dann war es geschafft und ich konnte mein neues Leben mit der Neoblase beginnen. Ich bekam einige Vorlagen, die den Urin auffangen sollten. Auf der Station angekommen, zog ich mir erst einmal vernünftige Kleidung an. Ein T-Shirt und eine weite Hose. Ich war happy, als ich damit den Stationsflur entlang und in den Garten ging. Dort setzte ich mich erst einmal. Ich unterhielt mich mit anderen Patienten. Als ich Lachen musste, merkte ich, wie spontan Urin abging. Auch wenn ich mich erhob, ging immer etwas ab. Die erste Zeit musste ich etwa alle 10Min. auf die Toilette. Eine Schwester brachte mir ein Gestell mit einem Wassertank zum Üben der Beckenbodenmuskulatur und des Schließmuskels. Es war ganz schön anstrengend, das Wasser zu halten. Den Harn aus der Blase mittels der Beckenboden-Muslulatur zu drücken, war jedoch einfach für mich. Der Chefarzt sagte mir, dass die Inkontinenz gerade Nachts noch eine ganze Weile andauern werde. Ich war aber auf dem richtigen Weg und meine Entlassung aus dem Krankenhaus wäre eine Frage der Zeit. Am nächsten Tag sollten die krankengymnastischen Übungen anfangen. Ich bereitete mich jedenfalls schon mental auf meine Entlassung vor. 29.8.02 (Donnerstag) 15.Tag nach OP Die Nacht über hatte ich vier Mal die Vorlagen gewechselt, so voll waren sie gewesen. Ich durfte abends einfach nicht so viel trinken. Beim vierten Mal war das Bett nass. Ich musste irgendwie lernen, mir das jetzt andere Gefühl einer vollen Blase zu verinnerlichen, damit ich dann Nachts aufwachte, um sie zu leeren. Bis dahin würde ich bestimmt noch einige Einlagen verbrauchen. Die Krankengymnastin kam am Vormittag. Sie gab mir eine Trainings-Broschüre für das Beckenboden-Training. Sie war für Frauen geschrieben und deshalb manchmal lustig für mich. Ich sollte z.B. beim Ausatmen alle Körperöffnungen schließen, indem ich die Muskulatur des Beckens anspannte und meine Scheide in den Körper ziehen. Ich sagte ihr, dass ich Probleme hätte, wenn ich aus dem Sitzen aufstand. Jedes Mal würden einige Tropfen Urin abgehen. Sie sagte mir, dies könne ich mit kontinuierlichem Beckenboden-Training in den Griff bekommen. Bei jeder Anstrengung solle ich den Bauch durch Ausatmen entlasten und gleichzeitig den Beckenboden anspannen. Der Erfolg würde aber nicht gleich eintreten, da die entsprechenden Muskelgruppen erst trainiert werden müssten. Ich müsse halt Geduld haben, auch mit der nächtlichen Inkontinenz. Ich merkte an diesem Tag, dass ich das Wasser länger halten konnte. Je nach dem, wie viel ich trank. Aber beim Aufstehen gingen meist immer noch einige Tropfen ab. Aber es wurde... Der Chefarzt fragte mich am Nachmittag, wie es mir ginge und sagte mir, ich könne bestimmen, wann ich nach Hause wolle. Wenn der Zystofix (mein letzter Zugang zur Blase) entfernt würde, könnte ich den nächsten Tag nach Hause. Ich wollte aber noch kontinenter werden, bevor ich ging. Festlegen konnte ich mich also nicht. Als Fixtag hatte ich aber Montag als Entlassungstag im Auge. Bis dahin wollte ich die Zeit intensiv mit Training nutzen, um dann so kontinent wie möglich zu sein. Dann brauchte ich zu Hause nicht so viele Vorlagen, die ja nicht gerade sehr preiswert waren. Meine ACC-Behandlung machte ich jetzt selber. Erst trainierte ich das Wasserhalten und anschließend spritzte ich über den Zystofix das ACC ein. Ich machte alles auf der Toilette. So blieb mein Bett trocken. In der Nacht musste ich wieder vier Mal die Vorlagen wechseln. Das Bett blieb diesmal trocken. Und beim Wechseln konnte ich auch die Blase leeren. Also funktionierte der Schließmuskel bis zu einem gewissen Füllstand der Blase auch wenn ich schlief. Jetzt musste ich mir nur noch das Gefühl verinnerlichen, das entstand, wenn die Blase voll war. 29.8.02 (Freitag) 16.Tag nach OP Gegen 5.00Uhr war ich wieder wach. Ich nahm mir einen Kaffee und setzte mich in den Raucherraum, schaltete dort den Fernseher ein. Beim Aufstehen bemerkte ich, wenn ich konzentriert den Schließmuskel der Harnröhre aktivierte und dabei ausatmete, also die Bauchmuskulatur entlastete, ich jetzt das Wasser halten konnte. Auch bemerkte ich, dass ich zum Vortag wieder ein wenig mehr Wasser halten konnte. Beim Husten und Lachen ging auch kein Harn mehr ab. Vor dem Frühstück trainierte ich Blasenvolumen und Schließmuskel. Ich konnte für wenige Sekunden schon etwa 200ml halten., theoretisch. Denn bewegen durfte ich mich nicht dabei. Den realistischen Haltewert unter Belastung schätzte ich bei ca. 100ml. Immerhin ein Fortschritt. Ich beschloss, mir den Zystofix entfernen zu lassen. Denn das Training konnte ich auch ohne ihn weiter führen. Und er war das Hindernis für meine Entlassung. Am Vormittag kam die Krankengymnastin. Ich sagte ihr, dass ich das Beckenbodentraining gerne bei ihr weiter führen würde, wenn ich entlassen war. Sie gab mir einen Flyer mit der Telefonnummer, unter der ich mich anmelden könne. Nach dem Mittag kam der Chefarzt und fragte, wie es mir geht. Ich schilderte ihm meine Fortschritte und sagte ihm, dass ich den Zystofix jetzt nicht mehr brauche. Er nahm mich mit in den Untersuchungsraum, wo er eine Volumenmessung des Urins durchführte. Es waren diesmal nur 70ml zusammen gekommen, aber immerhin, eine Steigerung. Danach kam eine Sonografie der Nieren und der Blase, die nun vollständig geleert war. Alles war in Ordnung. Wir klatschten unsere Hände gegen einander und er sagte mir, nachdem er den Zystofix gezogen hatte, jetzt bin ich Entlassungskandidat. Ich selber könne bestimmen wann ich nach Hause gehen wollte. Ich war glücklich. Am Nachmittag kam dann ein Abschluss-Gespräch, in dessen Verlauf ich ihm und dem gesamten Team dankte und er mir sagte, dass er selten einen so tollen Patienten erlebt habe, der so aktiv an der Bewältigung seiner Krankheit mitarbeite und so zu seiner Genesung selbst beiträgt. Der krönende Abschluss dieses Gespräches war, dass wir uns gegenseitig umarmten und vor Rührung mir Tränen die Wangen hinunterliefen. Ich musste ihm noch versprechen, ihn über mein weiteres Befinden, ob positiv oder negativ, auf dem Laufenden zu halten. Ich trank erst mal ein Weizenbier, das mir Nicole, meine Tochter mitgebracht hatte und freute mich. Am Abend bei meinem Besuch, entschloss ich mich, bereits den nächsten Tag nach Hause zu gehen. Ich informierte die Schwestern darüber, damit sie alles für den nächsten Tag vorbereiten konnten. Denn ehrlich gesagt, ich war ja bis auf die Inkontinenz gesund. Und die konnte ich auch zu Hause überwinden. Dazu brauchte ich kein teures Klinikbett zu belegen. Und ich konnte meinen Tagesablauf selber bestimmen. Konnte Fernsehen, was ich wollte (und was Marion wollte). Der Besuch, fast die ganze Familie, hatte mich angestrengt Um 21.00Uhr lief im Fernsehen ein Fußballspiel. Aber da schlief ich schon. Ich wachte einige Male auf, da die Einlage gewechselt werden musste. Aber ich schlief immer wieder sofort ein. Den Schließmuskel der Harnröhre musste ich also noch viel mehr trainieren. 31.8.02 (Samstag) Entlassungstag Um 4.10Uhr stand ich auf. Die Nachtschwester hatte schon gewartet, dass ich meinen Kaffee abhole. Etwa eine halbe Stunde konnte ich das Wasser halten, was jedoch auch davon abhing, wie viel ich getrunken hatte. Nach dem Frühstück war es so weit. Ich fuhr nach Hause. Mein Motorrad mit Beiwagen sprang sofort an. Nach drei Wochen hatte ich befürchtet, die Batterie würde leer sein. Die Erschütterungen während der Fahrt merkte ich im Bauch ziemlich deutlich und ich war froh, gut zu Hause angekommen zu sein. Marion und Nicole freuten sich sehr. Aber ich war ziemlich erschöpft und legte mich den Rest des Tages hin.
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