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Meine Krankheitsgeschichte - Rekonvaliszenz PDF Drucken E-Mail
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Die Entscheidung zur Blasenentfernung
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Rekonvaliszenz
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Ich hatte immer noch Schmerzen im Bauch. Außerdem war die Haut von den Klebe-Verbänden immer noch entzündet. Das wichtigste aber, was nun zu überwinden galt, war die Inkontinenz, insbesondere nachts. Tagsüber hielt ich schon bis zu einer Stunde aus, bis ich zur Toilette musste. Nachts wurde die Harnmenge, die in der Vorlage landete auch langsam weniger, wenn ich alle anderthalb Stunden auf die Toilette ging. Es wurde jedenfalls jeden Tag besser und mein Aktionsradius außer Haus wurde größer.

Mein Urologe, führte nun die regelmäßig wiederkehrenden Kontroll-Untersuchungen durch. Die Harnmenge musste gemessen werden. Der Harn wurde nach Bakterien und Tumorzellen untersucht. Blutuntersuchungen kamen hinzu. Per Sonografie wurden die Nieren, Harnleiter und Restharn in der Neoblase überprüft. Außerdem sollte alle halbe Jahre eine CT durchgeführt werden.

Es würde eine lange Zeit beanspruchen, bis ich wieder vollständig wieder hergestellt war. Ich musste lernen, mich in Geduld zu üben. Ich war abgemagert und körperlich kraftlos. Treppen steigen und gehen belastete mich. Ich wurde schnell erschöpft. Ich nahm mir vor, jeden Tag ein wenig spazieren zu gehen. Wenn ich einigermaßen kontinent war, wollte ich mit Fahrrad fahren beginnen. Es war wichtig für mich, meine alte Kondition wieder zu erlangen. Das würde sich auch auf meine Inkontinenz, sowie mein Allgemein-Befinden auswirken.

Ich führte im Humboldt-Klinikum einen Beckenboden-Gymnastik- Kurs durch, weil ich nicht zu einer Anschlussbehandlungs-Kur nach Bad Wildungen wollte. Die würde mir weiter helfen, kontinent zu werden. Und davon hing ja auch ab, ob ich je wieder dienstfähig werden würde. Bis zu einer amtsärztlichen Vorstellung würde ich jedenfalls krank geschrieben bleiben. Vom Gutachten des Amtsarztes und meiner Personalchefin hing es dann ab, ob ein zumutbarer Job in meiner Dienststelle für mich gefunden werden konnte, oder ich in den vorzeitigen Ruhestand geschickt werden würde. Ich hoffte jedenfalls auf die erste Variante.

Ich beantragte einen Schwerbeschädigten-Ausweis. Mir sollten 80% Schwerbehinderung zustehen. Mit der Bearbeitung sollte ich etwa ein halbes Jahr rechnen. Als ich ihn dann hatte, legte ich dennoch Widerspruch ein. Ich hatte zwar die 80% Schwerbehinderung bekommen, aber nicht das Kennzeichen G für Gehbehinderung, das lt. Sozialgesetzbuch allen zusteht, die mindestens zu 80% schwerbehindert sind und in ihrem Bewegungsradius stark eingeschränkt sind. Da ich ständig auf die Verfügbarkeit einer Toilette angewiesen bin, trifft dies bei mir zu.

Wenn alles gut geht, das heißt, wenn sich kein neuer Tumor bildet, die Nieren gut weiter arbeiten, keine Harnwegsinfektionen entstehen oder Infektionen in der Blase, wenn keine Restharnbildung entsteht und die Neoblase sich nicht ausleiert, dann stehen die Zeichen günstig, vollständig geheilt zu sein. Aber das braucht viel Zeit. Man spricht von einer vollständigen Heilung erst nach 10 Jahren.

Da der Dünndarm um etwa 70cm verkürzt ist, gibt es bei der Ernährung auch einiges für mich zu beachten. So darf ich keine langfasrigen Gemüse und Obst zu mir nehmen. Insbesondere sind das:

Spargel, Pilze, Apfelsinen, Mandarinen, Zitronen, Pampelmusen, Ananas.

In der ersten Zeit musste ich auch darauf achten, dass der Stuhlgang weich ist. Ansonsten hätte ich mit Koliken zu rechnen.

Es dauerte einige Zeit, bis ich die Inkontinenz fast vollständig überwunden hatte. Tagsüber bin ich kontinent. Nur nachts muss ich mir alle 1 1/2 bis 2 Stunden den Wecker stellen, um meine Blase zu leeren. Tags wie auch nachts trage ich Frauenbinden, was mich aber nicht stört. Auch der Wecker nachts stört mich inzwischen nicht mehr.

Die sexuele Lust ist die gleiche, wie vor der Blasenentfernung. Das einzigste ist die fehlende Gliedsteife (erektile Dysfunktion. Anfangs habe ich mit einer Vakuumpumpe experimentiert, was aber eher abtörnend war. Jetzt habe ich mich mit der fehlenden Gliedsteife abgefunden und brauche keine Hilfsmittel, obwohl mit Medikamenten eine Gliedsteife herstellbar wäre. Mein Sexualleben ist wie vorher und ich vermisse die Versteifung des Gliedes und den Erguss beim Orgassmus nicht.

Im November 2002 hatte ich dann eine Amtsarzt-Vorstellung. Dort wurde geprüft, in wie weit ich wieder dienstfähig bin. Das Ergebnis war äußerst positiv für mich. Mit 48 Jahren wollte ich ja wieder meinen Dienst aufnehmen. Die Amtsärztin stellte zum Januar 2003 meine volle Dienstfähigkeit fest.

Fazit

Obwohl mit der radikalen Zystektomie eine lange Zeit der Wiederherstellung und mit Einschränkungen im weiteren Leben verbunden sind, bin ich doch froh, diesen Weg gegangen zu sein. Geduld auf dem Weg zur vollständigen Heilung zu haben ist aber wichtig. Ungeduldig zu sein, insbesondere im Umgang mit der Inkontinenz führt dazu, unzufrieden zu sein und behindert nur die vollständige Heilung.

Detlef Höwing im Jahr 2002



 
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