| Therapie |
|
|
|
|
Die oberflächlichen HarnblasenkarzinomeDie meisten Harnblasenkarzinome (etwa 80%) werden in einem sehr frühen Stadien (im Tumorstadium T1 oder Tis) entdeckt. Das bedeutet in diesem Fall, dass der Tumor sich auf die innersten Schichten der Blasenwand beschränkt und die muskuläre Wand der Blase nicht betrifft. In diesen Fällen genügt eine relativ kleine Operation über die Harnblasenspiegelung (Zystoskopie und TUR). Hierzu wird, wie oben beschrieben, über die Harnröhre eine Spiegelung der Harnblase durchgeführt. Man kann zusätzlich Operationsinstrumente einführen und unter Sicht den Tumor entfernen. Der Urologe kann sogar über diesen Weg die Blase zum Teil entfernen, wenn das wegen der Ausdehnung notwendig ist. In bestimmten Situationen kann es sinnvoll sein, eine zusätzlich Therapie durchzuführen. Zum Beispiel kann eine lokale Chemotherapie oder lokale Immuntherapie angewandt werden, indem das entsprechende Medikament in die Blase gegeben wird und nur im Blaseninneren wirkt. Nach dieser Therapie tritt jedoch innerhalb von 5 Jahren in mehr als der Hälfte der Fälle (50-70%) ein erneutes Harnblasenkarzinom auf. Deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle mittels der Zystoskopie erforderlich. In 60-70% der Fälle kann durch die wiederholte TUR das ursprünglich oberflächliche Harnblasenkarzinom langfristig beherrscht werden. Die tief infiltrierenden HarnblasenkarzinomeNur etwa 20% der Harnblasenkarzinome befinden sich zum Zeitpunkt der ersten Diagnose im fortgeschrittenerem Stadium, d.h. mit Beteiligung der Muskelschicht der Harnblasenwand. Diese werden - tief infiltrierende Harnblasenkarzinome - genannt. In diesen Fällen genügt die oben beschriebene TUR nicht. Es stehen mehrere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung: Die Zystektomie :Das ist eine komplette operative Entfernung der Harnblase und der Prostata, mit anschließendem oder zeitgleichem Blasenersatz. Diese ist als die beste Methode zu bezeichnen, mit der die höchsten absoluten Heilungschancen zu erzielen sind und die die höchste Überlebensrate (etwa 70-80% nach 5 Jahren) für den Betroffenen hat. Oft kann man eine “Neoblase” aus einem Stück Dünndarm herstellen, der dann die Funktion der Blase übernimmt. Ist der Harnleiter nicht betroffen, kann er oft auch als natürliches Harnausscheidungs-Organ erhalten werden, so dass kein künstlicher Ausgang gelegt werden muß, was die Lebensqualität zukünftig positiv beeinflußt. Bei dieser Operation werden auch Teile der Lymphknoten des umgebenen Bereichs entnommen. Sie werden, wie auch das andere entnommene Gewebe einer histologischen Untersuchung zugeführt, um endgültig ermitteln zu können, ob eine Fernmetstasierung warscheinlich ist und eine anschließende Chemotherapie angeraten ist. Eine TUR (operative Entfernung des Tumors über eine Blasenspiegelung wie oben beschrieben) mit nachfolgender Bestrahlung und Chemotherapie wird nur wenig effektiv sein und birgt die Gefahr von späteren Tochtergeschwülsten. Eine alleinige hochdosierte Chemotherapie mit mehreren Medikamenten, ggf. kombiniert mit einer Immuntherapie wird nur bei Patienten durchgeführt, bei denen aus ärztlicher Sicht eine Zystektomie nicht in Frage kommt. Letztere Möglichkeit würde man allerdings nur dann empfehlen, wenn der Tumor im höchsten Stadium vorliegt, wenn er also in Nachbarorgane gewachsen ist und damit die Wahrscheinlichkeit der Fernmetastasen sehr hoch ist. Die TUR und StrahlentherapieDie alleinige Strahlentherapie ist beim Harnblasenkarzinom durch die Gefahr der Nebenwirkung in Form einer Schrumpfblase oder einer chronischen Blasenentzündung begrenzt. Deshalb wird die Strahlentherapie in der Regel in Kombination mit einem anderen Verfahren eingesetzt. Grundsätzlich kann sie vor oder auch nach einer Operation eingesetzt werden. Am meisten bewährt hat sich eine Bestrahlung in Kombination mit einer relativ milden Chemotherapie (Cisplatin) nach einer TUR. Dabei wird, wie oben beschrieben, über eine Blasenspiegelung der Tumor oder ein Teil der Blase entfernt. Dies sollte möglichst so geschehen, dass keine mikroskopischen Tumorreste an den Schnitträndern zu sehen sind. Anschließend wird die Bestrahlung täglich über ca. 5-6 Wochen durchgeführt. In der ersten und letzten Woche der Bestrahlung erfolgt eine Chemotherapie unter stationären Bedingungen. Die Ergebnisse hinsichtlich der Heilung und der 5-Jahres-Überlebensrate sind gegenüber der radikalen Entfernung der Blase mindestens genauso gut. Als Vorteil dieser Vorgehensweise wäre zu nennen, dass 1. die Blase erhalten werden kann, 2. Im Falle eines Verbleibs von Resttumor oder eines Wiederauftreten (Rezidiv) des Karzinoms kann dann immer noch mit guten Ergebnissen eine radikale Blasenentfernung durchgeführt werden. ChemotherapieDie alleinigen Chemotherapiekonzepte mit mehreren Chemotherapeutika sind sehr nebenwirkungsreich, daher bleiben die Einsatzmöglichkeiten wegen ihrer besseren Konstitution nur jüngeren Patienten vorbehalten. Mildere Konzepte stehen jedoch zur Linderung bei sehr weit fortgeschrittenen Stadien zur Verfügung. Dann wird meist nur ein Chemotherapeutikum eingesetzt, oder es wird eine lokale Chemotherapie oder Immuntherapie durchgeführt. Dabei wird das Medikament direkt in die Blase gegeben.
|






